time to hatch is Nina’s first artist book and presents her daily drawing practice in a non-linear way. The book opens up from the middle and unfolds outwards, reminding of her sculptural work. The dust jacket is both map and glossary, on the inside of which all drawings are assembled in small. Made in collaboration with Amsterdam based designer Katherina Gorodynska and including a text by Xenia Alexandrovna.

Wenn ich reise, habe ich stets ein Buch dabei, das meinen Gedanken zwar Unterschlupf bietet, sie aber gleichzeitig zur Weiterreise in Parallelwelten drängt. Im vorliegenden Buch findet die Reise entlang von Zeichnungen statt, die eine vielschichtige Welt vor mir entfalten in die ich eintauchen kann. Als ich die Zeichnungen von Nina Paszkowski zum ersten Mal sah, musste ich an psychische Seelenlandschaften denken, die ihre Wirkungskräfte wie tastende Tentakel in alle Richtungen fließen lassen, um in den Engführungen der Fixpunkte ihre Schlupflöcher zu finden. Heute weiß ich, dass sie keine starre Identität oder solide Masse beschreiben, deren Oberflächlichkeiten nach und nach abgeschält werden müssten, um ihren ›wahren‹ Kern zum Vorschein zu bringen. Denn »›Ich‹ ist in sich selbst unendliche Schichten«. 1

Was ist der Gipfel der Identität anderes als eine Sackgasse, in der man*frau stecken bleibt, statt Durchgänge, Seitenwege oder Korridore zu finden und dem Leben immer wieder neue Möglichkeiten zu eröffnen. Das einfühlsame Zeichnen ist sicherlich ein ergiebiger Weg, bei dem es um das Erleben einer inneren Reise geht, die unbewussten Eindrücken gestalterischen Ausdruck verleiht. Inspiriert von ihren eigenen Gefühlszuständen beschreibt die Künstlerin eine Geste der Offenlegung im zeichnerischen Schaffensprozess: Manchmal ist es ein Hinausbeschwören einer starken Emotion, die sich durch den Körper windet, ohne einen geeigneten Platz zu finden. Wenn der Raum aber stiller wird und die Zeit langsamer vergeht, wird diese Emotion zu einer klaren und bedachten Bewegung, aus der sich Linien und Formen wie Pflanzen dem Licht entgegenstrecken.

Wahrscheinlich wird die zeichnerische Aktivität aufgrund ihres unwiderstehlichen Antriebs als eine der kraftvollsten Kunstformen verstanden, mit der das Wesen einer formgebenden Kraft übertragen wird, durch die der Mensch sich selbst zu bestimmen vermag. Dabei gilt es aber keinen Menschen zu reproduzieren, der identisch mit sich ist, als hätte die Natur ihn dazu bestimmt. »Wir müssen ganz im Gegenteil etwas produzieren, was noch nicht existiert und wovon wir noch nicht wissen können, wie es sein wird«. 2 Ganz im Sinne einer bevorstehenden Reise, deren Verlauf wir zwar nicht kennen, uns aber gerade deswegen auf den Weg machen. Und wenn wir den Raum durchschreiten, den wir auch zeichnerisch erzeugen, offenbart sich uns ein großes Privileg: Reisende zu sein, die sich durch die schiere Kraft des Begehrens fortbewegen.
Printed by Drukkerij Raddraaier SSP, Amsterdam, 2022.
